120 Kilometer durch Schlamm und Schmerz: Michael Taylor trotzt dem härtesten Mudder der Welt

Silber für Nordenham: 24 Stunden Kampf bringen Taylor den Vizeweltmeistertitel

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Am Ende war Michael Taylor kaum noch wiederzuerkennen: Schnitte, Prellungen, aufgerissene Hände – und trotzdem ein Lächeln im Gesicht. Nach 23 Stunden, 57 Minuten und 49 Sekunden überquerte der Nordenhamer beim „World’s Toughest Mudder“ die Ziellinie. Hinter ihm lagen 120 Kilometer, rund 300 Hindernisse und eine Nacht voller Schmerzen. Vor ihm wartete die Silbermedaille.

Rund um das englische Belvoir Castle in Grantham trafen mehr als 400 Athletinnen und Athleten aus 26 Nationen aufeinander. Taylor stellte sich mit seinem Support-Team Benjamin Lenz und Christoph Reiprich der wohl größten sportlichen Herausforderung seiner bisherigen Karriere. Unterstützt wurde das Abenteuer von seinem Sponsor A+T Solution.

24 Stunden, acht Kilometer und 20 Hindernisse

Das Prinzip des Rennens klingt einfach – und ist doch brutal: Innerhalb von 24 Stunden musste immer wieder eine acht Kilometer lange Runde mit 20 Hindernissen bewältigt werden. Kletterwände, Schlammpassagen, Eiscontainer, Elektroschocks, schwere Lasten und steile Anstiege verlangten den Teilnehmenden alles ab.

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Schon vor dem Start wurde deutlich, wie hart die Bedingungen werden würden. Bei Temperaturen von bis zu 36 Grad bot die offene Landschaft kaum Schatten. Nachts fielen die Temperaturen deutlich ab. Was am Tag noch als willkommene Abkühlung erschien, wurde in der Dunkelheit zur nächsten Belastungsprobe.

Ein Start wie bei einem Rockkonzert

Kurz vor 12 Uhr betraten die mehr als 400 Starterinnen und Starter die Arena. Statt einer einzelnen Nationalhymne sangen die Athleten, Crews und Zuschauer gemeinsam „Wonderwall“ von Oasis. Dann begann für Taylor das Rennen, auf das er sich nach eigenen Angaben 13 Jahre lang vorbereitet hatte.

Die erste Runde ohne Hindernisse absolvierte der Nordenhamer in 50 Minuten. Nach einem nur 70 Sekunden langen Boxenstopp ging es sofort weiter. Elektrolyte, Energiegel und Flüssigkeit standen bereit. Lenz und Reiprich sorgten dafür, dass Taylor keine unnötige Zeit verlor.

Das Support-Team arbeitet wie eine Maschine

Mit jeder Runde öffneten weitere Hindernisse. Taylor kletterte über riesige Pyramiden, kroch durch Schlamm, tauchte in Eiswasser und schleppte XXL-Gewichte über die Strecke. Seine Rundenzeiten blieben zunächst konstant, während die Boxenstopps meist nur wenige Minuten dauerten.

Nach fünf Runden hatte er die ersten 40 Kilometer geschafft. Für jede weitere abgeschlossene Runde erhielt Taylor nun ein Armband, mit dem er ein Hindernis umgehen konnte. Diese Joker mussten clever eingesetzt werden, denn besonders die schweren Tragepassagen kosteten zunehmend Kraft und Zeit.

Nach 80 Kilometern plötzlich auf Silberkurs

Gegen 1 Uhr nachts erreichte Taylor die Marke von 80 Kilometern. Nach 13 Stunden gönnte er sich seinen längsten Boxenstopp: 23 Minuten für warmes Essen, frische Kleidung und eine neue Rennstrategie.

Zu diesem Zeitpunkt lag der 52-Jährige auf Platz 31 der Männerwertung und auf Rang zwei in seiner Altersklasse der 50- bis 54-Jährigen. Das neue Ziel war klar: 120 Kilometer schaffen, den Platz unter den besten 40 verteidigen und die Silbermedaille mit nach Nordenham bringen.

Elektroschocks, offene Hände und eisige Dunkelheit

Die Nacht wurde zur härtesten Phase des Rennens. Taylors Hände waren vom Klettern aufgerissen, die Elektroschocks zerrten an den Nerven und der Eiscontainer ließ seine Körpertemperatur immer wieder absinken. Zusätzlich führten die Veranstalter mitten in der Nacht ein weiteres Hindernis ein: einen rund einen Kilometer langen Bergaufstieg.

Trotzdem blieb Taylor auf Kurs. Während die Weltelite an ihm vorbeizog, konzentrierte er sich nur auf die nächste Runde. Der Portugiese auf Platz eins seiner Altersklasse lag rund 40 Minuten vor ihm. Gleichzeitig hatte Taylor einen komfortablen Vorsprung auf den Drittplatzierten aus Großbritannien.

„Morning Glory“ wird zur letzten Tortur

Nach 21 Stunden begann mit der sogenannten „Morning Glory“ das große Finale. Zwei Stunden lang musste jedes Hindernis doppelt absolviert werden. Wer scheiterte oder ein Hindernis ausließ, musste zusätzliche Strafaufgaben bewältigen.

Diese Phase kostete Taylor noch einmal enorm viel Kraft. Doch der Nordenhamer kämpfte sich auch durch die letzten Hindernisse und beendete nach 23 Stunden, 57 Minuten und 49 Sekunden seine 15. Runde.

Silbermedaille reist nach Nordenham

Mit insgesamt 75 Meilen – umgerechnet rund 120 Kilometern – belegte Michael Taylor den 31. Platz unter 320 männlichen Teilnehmern. Damit gehörte er zu den besten zehn Prozent des internationalen Starterfeldes.

In der Altersklasse der 50- bis 54-Jährigen sicherte er sich den zweiten Platz und wurde Vizeweltmeister. Für Taylor war der Erfolg keine Einzelleistung.

„Wir haben es geschafft – nicht ich allein, sondern wir als Team“, sagte er nach dem Rennen und dankte Benjamin Lenz, Christoph Reiprich sowie seinem Sponsor A+T Solution.

Während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei ihrer Weltmeisterschaft leer ausging, brachte Michael Taylor in diesem Sommer immerhin internationales Silber mit nach Nordenham.

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