Ein Leben für den Fußball

Nach 33 Jahren zieht sich Siegfried Adamietz zurück – SR Esenshamm steht vor der Auflösung

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Mit elf Jahren stand Siegfried Adamietz das erste Mal auf einem Fußball-Platz. Damals (1961) trug er das Trikot des SC Nordenham und erzielte in Surheide das 1:0 für seine Mannschaft. Danach wird der Ballsport seine größte Leidenschaft. Unter Adamietz schafft der TV Esenshamm den Aufstieg in die Landesliga (2004). Nun zieht sich der 69-Jährige aus gesundheitlichen Gründen zurück.

„Dieser Schritt ist mir sehr, sehr schwer gefallen. Doch die Belastung für meine Gesundheit ist zu groß geworden“, sagt Adamietz, Vorsitzender des Fußball-Klubs Schwarz-Rot Esenshamm. Die einzige Mannschaft des Vereins ist vor kurzem als Kreisliga-Meister in die Bezirksliga aufgestiegen. In dieser Spielklasse wird sie jedoch keine Partie bestreiten. Zu viele Spieler sind nach dem Adamietz-Rückzug nicht dazu bereit, weiterzumachen. Unter anderem weil sie auf Fahrgeld verzichten müssten. Auch die laufenden Kosten wie die Bezahlung der Schiedsrichter hat Adamietz stets getragen. „Die Finanzierung des Vereins habe ich zu 95 Prozent übernommen“, sagt Adamietz.

Adamietz ließ Tribüne und Vereinsheim bauen

Es gibt aber auch Kicker, die gerne weitergespielt hätten. Einer von ihnen ist Bünyamin Kapakli, der seit 20 Jahren für Esenshamm Fußball spielt. „Ich würde gerne in der kommenden Saison eine Mannschaft zusammenstellen, die in der Kreisliga spielt. Voraussetzung ist die Zustimmung des NFV. Sollten wir in der 3. Kreisklasse, also ganz unten, anfangen müssen, wird der Verein noch in diesem Jahr aufgelöst.“ Er bedankt sich bei Adamietz: „Siggi steckte viel Zeit und Arbeit in den Verein.“

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So kümmerte sich der Vorsitzende in den vergangenen 33 Jahren um die Sportplatzpflege, Sponsoren, Spielertransfers, den Bau eines Vereinsheims sowie einer Tribüne und vieles mehr. „Fußball war immer mein Hobby. Ich wollte den Sportplatz zum Mittelpunkt des Ortes machen“, sagt der dreifache Familienvater.

Derby-Niederlage mit 21 Gegentoren bleibt in Erinnerung

Gepackt hat ihn das Fußball-Fieber bereits während seiner Kindheit. Im Jugendbereich war Adamietz als Torhüter für den SC Nordenham aktiv. An ein Spiel werde er sich immer erinnern. „Ein Derby gegen den TuS Einswarden haben wir mit 0:21 verloren. Dieter Diekmann hat mir 14 Stück reingehauen.“

Wenn Adamietz nicht als Torhüter auf dem Sportplatz stand, war er für die Deutsche Post im Einsatz. Von 1966 bis 1984 arbeitete er als Beamter an verschiedenen Standorten. Dann fasste er den Entschluss, seinen Job zu kündigen, um als selbstständiger Versicherungsgeneralagent bei der Württembergischen und Wüstenrot in Nordenham tätig zu werden. „Das habe ich bis zu meinem altersbedingten Ausscheiden 2015 gemacht und über 5000 Kunden betreut“, erzählt der 69-Jährige. Besonders stolz ist er darauf, dass seine Agentur 2002 und 2003 deutschlandweit die höchste Bausparsumme für seinen Arbeitgeber abgeschlossen hat.

Interne Differenzen beim SC Nordenham

Nicht nur im Beruf wechselte Adamietz den Arbeitgeber. Er suchte sich auch einen neuen Verein und verließ den SC Nordenham, bei dem er von 1978 bis 1982 noch im Vorstand tätig war. Aufgrund interner Differenzen kam es zum Bruch beim SCN und Adamietz ging als Spielertrainer zum SV Kleinensiel. „Ich war damals sehr verärgert und wollte den SCN-Verantwortlichen zeigen, dass meine Ideen Früchte tragen können.“

In Kleinensiel blieb er bis 1987. Dann verschlug es Adamietz zum TV Esenshamm. Dort leitete er die Fußballsparte. Unter seiner Regie erlangte der Dorfverein überregionale Bekanntheit und stieg in der Saison 2004/2005 in die Landesliga auf. Das ist die höchste Spielklasse im Bezirk Weser-Ems. Als der Verein die Fußballsparte aus Kostengründen aufgeben wollte, gründete der Fan von Borussia Dortmund am 24. September 2015 Schwarz-Rot Esenshamm.

156 Mal Blut gespendet

„Ich würde mich freuen, wenn es auch ohne mich weitergeht. Sollte das nicht klappen, wird der Verein noch in diesem Jahr bei der Jahreshauptversammlung aufgelöst.“ Auf den hiesigen Fußballplätzen werde der 69-Jährige nur noch selten zu Gast sein. „Ich möchte mich intensiv um meine Familie kümmern.“ Zudem ist es ihm ein wichtiges Anliegen, weiterhin zur Blutspende zu gehen. „Das mache ich seit 1971 und war bereits 156 Mal Blutspenden“, so Adamietz. Ein Motorradunfall seines Vaters Konrad, der damals eine Blutkonserve benötigte, habe ihm gezeigt, wie wichtig es sei, zu spenden.

Neben dem Sport sei ihm soziales Engagement sehr wichtig. Das Schicksal einer Esenshammer Familie bewegte ihn sehr. Vier Kinder hatten 2015 innerhalb kurzer Zeit ihre Eltern verloren. Adamietz sammelte Spenden und richtete ein Benefizturnier aus. „Das war für mich eine Selbstverständlichkeit“, sagt Adamietz, der nun weniger Zeit für andere, sondern mehr Zeit für sich und seine Gesundheit aufbringen wird.

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