Videobeweis macht den Fußball nicht gerechter

Auch eineinhalb Jahre nach der Einführung ist noch keine klare Linie zu erkennen

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Mit dem Videobeweis wird der Fußball ein Stück ehrlicher. Wunschdenken, die Realität sieht anders aus. Jetzt wird nicht nur über Fehlentscheidungen des Unparteiischen diskutiert, sondern auch über die Frage, warum der Video-Assistent eingegriffen, beziehungsweise nicht eingegriffen hat.

Exemplarisch dafür sind zwei Szenen des vergangenen Spieltages. Da wird in Mainz ein Treffer des Nürnbergers Adam Zrelak nicht anerkannt, weil der ganz knapp im Abseits steht. Mit dem bloßen Auge war das praktisch nicht zu erkennen.

Zwei ähnliche Szenen – zwei unterschiedliche Bewertungen

Ich bin mir sicher, dass sich der Video-Assistent diese Szene mehrmals angesehen hat, um diesen Regelverstoß zu erkennen. Auf dessen Intervention revidierte der Unparteiische, der den Treffer bereits anerkannt hatte, seine Entscheidung. So weit, so gut. Den Regeln entsprechend war diese Entscheidung ja richtig.

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In einem anderen Stadion dagegen wurde eine falsche Entscheidung dagegen nicht revidiert. Im Mönchengladbacher Nordpark hatte Oskar Wendt in einem zähen Spiel endlich für die Borussen-Führung gegen den FC Augsburg gesorgt. Natürlich habe ich mich als Fan der Fohlen-Elf im ersten Moment sehr gefreut. Aber nur kurz, denn der Treffer war irregulär, wie unschwer zu erkennen war.

Verständnis für den Augsburger Trainer

Lars Stindl stand beim Wendt-Schuss klar im Abseits. Passiv, so die Bewertung des Unparteiischen, was allerdings nicht stimmt, denn der Fohlen-Kapitän hatte dem Augsburger Kevin Danso nicht nur die Sicht versperrt, sondern ihn auch irritiert. Um das zu erkennen, benötigte ich nicht einmal eine Zeitlupen-Wiederholung.

Da wird der Video-Assistent gleich für die Gerechtigkeit sorgen, hatte ich mich schon damit abgefunden, dass das Tor keine Anerkennung finden würde. Aber nichts ist geschehen. Da nützten auch die heftigen Proteste der Augsburger Verantwortlichen nichts. Aus Köln kam keine Reaktion. Wo haben die denn gerade hingeschaut, habe ich mich anschließend gefragt. Und nicht nur ich. Dass sich FCA-Trainer Manuel Baum da mächtig aufgeregt hat, kann ich gut verstehen.

Einerseits wird ein kaum zu erkennender Regelverstoß sanktioniert, andererseits ein offensichtlicher übersehen. Leider kein Einzelfall, sondern Szenen, die sich nahezu Woche für Woche wiederholen. So macht der Videobeweis den Fußball nicht gerechter.

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